Feldtests in der Landtechnik finden dort statt, wo Landwirtinnen und Landwirte arbeiten, und dann, wenn sie Zeit haben. Beides bestimmt der Kulturkalender: der Kalender des Ackerbaus mit Aussaat, Pflege, Ernte und Winterarbeit, je Kultur und Region verschieden. Diese Anleitung beschreibt, wie ein Produktteam die Kulturen und Regionen seiner Zielbetriebe erfasst, Arbeitsspitzen markiert und daraus Studienfenster mit Reserveterminen und Wetterpuffer ableitet. Am Ende steht ein Studienkalender, der vor dem Projektplan steht und die Termine im Projekt bestimmt.
Voraussetzungen
Sie wissen, welche Betriebe Ihre Zielgruppe bilden: Betriebstyp, Kulturen, Region, Maschinenpark. Sie haben Zugang zu diesen Betrieben, über ein eigenes Panel, über Vertrieb und Händler oder über einen Panelzugang von außen. Und Sie haben eine Fragestellung, aus der hervorgeht, welche Arbeit beobachtet werden soll: die Bedienung des Terminals während der Aussaat, der Datenfluss nach der Ernte, die Planung am Schreibtisch im Winter. Ohne diese Festlegung lässt sich kein Fenster wählen, weil jede Arbeit ihre eigene Zeit hat.
Schritt 1: Kulturen und Regionen der Zielbetriebe erfassen
Was: Legen Sie je Zielbetrieb eine Zeile an mit Region, Betriebstyp (Ackerbau, Futterbau, Milchvieh, Lohnunternehmen), angebauten Kulturen und den Maschinen, die für Ihre Studie zählen. Quellen sind die Paneldaten, der Screener aus der letzten Studie und das Wissen von Vertrieb und Händlern.
Warum: Die Verfügbarkeit eines Betriebs hängt an Kultur und Region. Ein Getreidebetrieb hat seine Spitze zu einer anderen Zeit als ein Betrieb mit Zuckerrüben oder Mais, ein Grünlandbetrieb hat mehrere Schnitte über die Saison, ein Lohnunternehmen arbeitet für viele Betriebe und hat deshalb eine längere Saison. Dieselbe Kultur ist in einer Region früher reif als in einer anderen.
Ergebnis: eine Tabelle der Zielbetriebe mit Region, Betriebstyp, Kulturen und Maschinen.
Schritt 2: Arbeitsspitzen je Kultur markieren
Was: Tragen Sie je Kultur und Region die Phasen des Jahres ein: Bodenbearbeitung und Aussaat, Pflege mit Düngung und Pflanzenschutz, Ernte, Arbeiten nach der Ernte, Winterarbeit mit Wartung, Planung und Büro. Markieren Sie jede Phase als Sperrzeit, eingeschränkt oder offen. Fragen Sie die Betriebe selbst, wann ihre Spitzen liegen, und gleichen Sie das mit den Terminen früherer Studien ab.
Warum: Arbeitsspitzen decken sich nicht mit Jahreszeiten. Pflanzenschutz hat kurze, wetterabhängige Fenster, die in einer ruhig wirkenden Phase liegen. Die Ernte einer Kultur überschneidet sich mit der Aussaat der nächsten. Was im Lehrbuch als Phase steht, weicht auf dem Betrieb ab, und der Betrieb kennt seine Spitzen.
Ergebnis: eine Jahresübersicht je Kultur und Region mit den drei Kategorien Sperrzeit, eingeschränkt, offen.
Schritt 3: Die Beobachtungssituation zuordnen
Was: Ordnen Sie jeder Fragestellung die Phase zu, in der sie sich beantworten lässt. Manche Fragen brauchen die Arbeitsspitze, weil die Bedienung unter Zeitdruck und im laufenden Einsatz beobachtet werden soll. Andere gehören in die offene Zeit: Interviews, Workshops, Tests an einem Prototyp im Büro des Betriebs.
Warum: Eine Frage, die nur in der Ernte beantwortbar ist, macht die Sperrzeit zum Studienfenster. Dann gelten andere Regeln: kurze Sitzungen, Mitfahrt in der Kabine, keine Unterbrechung der Arbeit. Der Erfahrungsbericht zum Feldtest während der Kampagne beschreibt diese Form. Wer die Zuordnung überspringt, plant Interviews in die Ernte und Feldbeobachtung in den Winter.
Ergebnis: je Fragestellung die Zuordnung zu Spitze oder offener Zeit, mit der passenden Erhebungsform.
Schritt 4: Studienfenster und Reservetermine ableiten
Was: Legen Sie aus der Jahresübersicht die Fenster fest, in denen die Zielbetriebe für die gewählte Erhebungsform erreichbar sind. Planen Sie je Fenster ein Reservefenster und je Termin Reserveteilnehmende aus einem anderen Betrieb. Rechnen Sie den Vorlauf für Ansprache und Zusage vor das Fenster.
Warum: Absagen gehören zur Planung im Agrarkontext. Ein Betrieb sagt zu und meldet sich am Vortag ab, weil das Wetter umgeschlagen ist oder eine Maschine steht. Ohne Reserve fällt der Termin aus und mit ihm oft das Fenster.
Ergebnis: ein Studienkalender mit Fenstern, Reservefenstern, Reserveteilnehmenden und Vorlauf.
Schritt 5: Wetterpuffer einplanen
Was: Legen Sie für Studien im Feld je Termin einen Puffer von mehreren Tagen fest, in dem der Termin verschoben werden kann, und vereinbaren Sie mit dem Betrieb, dass die Entscheidung am Vorabend fällt. Halten Sie für Regentage eine Rückfallform bereit: ein Gespräch im Büro des Betriebs, ein Test am Terminal in der Halle.
Warum: Ein Feldtermin an einem festen Datum ist eine Annahme über das Wetter. Der Betrieb richtet sich nach dem Wetter, und die Studie richtet sich nach dem Betrieb. Die Rückfallform sorgt dafür, dass der Reisetag Ergebnisse bringt, auch wenn niemand aufs Feld fährt.
Ergebnis: je Feldtermin ein Puffer, eine Entscheidungsregel und eine Rückfallform.
Schritt 6: Den Projektplan aus dem Studienkalender ableiten
Was: Legen Sie den Studienkalender vor den Projektplan. Prototypreife, Freigaben und Reisen werden vom Fenster aus rückwärts geplant. Wenn ein Fenster nicht erreichbar ist, wird das nächste Fenster gewählt, keine Verschiebung um wenige Wochen in die Sperrzeit.
Warum: Ein Projektplan, der vom Release aus rechnet, trifft die Ernte. Ein Studienkalender, der vom Betrieb aus rechnet, gibt dem Projekt die Termine vor, an denen Erkenntnisse möglich sind. Die Beobachtung zur Erntezeit im Projektplan beschreibt, was sonst passiert.
Ergebnis: ein Projektplan, dessen Meilensteine vor den Studienfenstern liegen.
Typische Fehler
Die Übersicht wird aus allgemeinen Angaben zu Kulturen gefüllt und nicht mit den Betrieben abgeglichen; dann fehlen regionale Verschiebungen und Lohnunternehmen. Interviews werden in die Ernte gelegt, weil das Team dann vor Ort ist; die Gespräche finden dann nur an Regentagen statt. Reservetermine liegen im selben Betrieb; wenn der Betrieb absagt, fällt beides aus. Der Puffer wird aus dem Reiseplan gestrichen, weil er Kosten verursacht; der Termin fällt dann beim ersten Regen aus. Und der Studienkalender wird nach dem Projektplan gebaut statt davor.
Was am Ende vorliegt
Eine Tabelle der Zielbetriebe, eine Jahresübersicht je Kultur und Region, die Zuordnung der Fragestellungen zu Spitzen und offenen Zeiten, ein Studienkalender mit Fenstern, Reserven, Vorlauf und Wetterpuffer und ein Projektplan, der daraus abgeleitet ist. Die Übersicht wird nach jeder Studie mit den Terminen fortgeschrieben, die stattgefunden haben, und wird so mit jeder Saison genauer. Als Vorlage für weitere Segmente dient der Jahreskalender für Studien je Zielgruppe.
