Screeningkriterien für Teilnehmende mit assistiven Technologien

Screeningkriterien für Teilnehmende mit assistiven Technologien

Screeningkriterien für Teilnehmende mit assistiven Technologien

Screeningkriterien für Teilnehmende mit assistiven Technologien

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Barrierefreiheit

Von

leefs Redaktion

Die Aussagekraft eines Accessibility-Tests entscheidet sich in der Rekrutierung. Teilnehmende müssen ihre assistive Technologie im Alltag beherrschen und zur Fachdomäne des Produkts passen. Der Screener ist das Werkzeug, das beides prüft. Dieser Beitrag beschreibt, welche Angaben er erfasst, begründet jedes Kriterium und zeigt, wie es Sitzungen untereinander vergleichbar macht.

Ausgangslage

Ein Usability-Test mit assistiven Technologien folgt derselben Methodik wie jeder Usability-Test nach ISO 9241-11: Nutzergruppen aus dem Nutzungskontext führen Aufgaben aus, und wir messen Effektivität, Effizienz und Zufriedenstellung. Der Unterschied liegt in den Betriebsmitteln. Ein Screenreader, eine Vergrößerungssoftware oder eine Sprachsteuerung verändern, wie die Oberfläche wahrgenommen und bedient wird, und sie verhalten sich je Version, Gerät und Einstellung anders.

Ein Screener, der nur fragt, ob jemand einen Screenreader nutzt, liefert Teilnehmende, deren Sitzungen sich nicht vergleichen lassen. Ein Befund, der bei einer Person auftritt und bei einer anderen nicht, bleibt dann ohne Erklärung. Die Kriterien unten sorgen dafür, dass jede Sitzung dokumentiert ist und dass Unterschiede zwischen Sitzungen auf das Angebot zurückgeführt werden können.

Technologie und Version

Der Screener erfasst die eingesetzte assistive Technologie mit Produktname und Version: Screenreader, Vergrößerungssoftware, Sprachsteuerung, Schaltersteuerung, Braillezeile, oder eine Kombination. Bei Screenreadern und Sprachsteuerung gehört die Version dazu, weil das Verhalten bei Formularen, Tabellen und dynamischen Inhalten je Version unterschiedlich ist.

Die Angabe ermöglicht die Zusammensetzung der Stichprobe nach dem Nutzungskontext: Wenn die Nutzergruppen des Angebots überwiegend am Desktop mit einem bestimmten Screenreader arbeiten, muss die Stichprobe das abbilden. Und sie macht Befunde nachstellbar, weil die Entwicklung weiß, mit welcher Technologie der Befund aufgetreten ist.

Erfahrungsdauer und Nutzungsroutine

Der Screener fragt, seit wann die Person die Technologie einsetzt und wie häufig: täglich für Arbeit und Alltag, gelegentlich, oder erst seit Kurzem. Wir rekrutieren für Tests Personen, die ihre Technologie routiniert einsetzen. Sie sind Fachleute für ihre eigene Nutzung und zeigen, wie das Angebot unter realen Bedingungen bedient wird.

Die Erfahrungsdauer erklärt Beobachtungen. Eine routinierte Screenreader-Nutzerin kompensiert einen Mangel mit einem Umweg, den sie aus anderen Anwendungen kennt; die Aufgabe gelingt mit Aufwand. Eine Person, die die Technologie erst lernt, bricht an derselben Stelle ab. Beides ist ein Befund, aber ein anderer, und der Bericht muss sie unterscheiden können.

Individuelle Einstellungen

Der Screener erfasst die Einstellungen, mit denen die Person arbeitet: Sprechgeschwindigkeit und Ausführlichkeitsstufe der Sprachausgabe, Vergrößerungsfaktor und Darstellungsmodus der Vergrößerung, Kontrast- oder Farbmodus, Tastaturbelegung und eigene Befehle bei Sprachsteuerung. Die Person nimmt diese Einstellungen mit in die Sitzung; sie sind Teil ihres Betriebsmittels.

Die Angabe ist für die Auswertung nötig. Bei hoher Sprechgeschwindigkeit fallen Ansagen anders auf als bei niedriger; bei starker Vergrößerung verschwinden Statusmeldungen aus dem sichtbaren Ausschnitt. Ein Befund, der nur bei einem bestimmten Vergrößerungsfaktor auftritt, ist mit dieser Angabe einzuordnen, ohne sie bleibt er ohne Erklärung.

Gerät, Betriebssystem und Browser

Der Screener erfasst Gerät, Betriebssystem und Browser, mit denen die Person das Angebot bedienen würde, und ob sie aus ihrer eigenen Umgebung an der Sitzung teilnimmt. Wir bevorzugen die eigene Umgebung: Die Kombination aus Technologie, Betriebssystem und Browser ist bei jeder Person eingespielt, und ein Laborrechner mit fremden Einstellungen verfälscht das Verhalten.

Die Angabe grenzt den Prüfumfang ein und macht ihn im Bericht ausweisbar: geprüft mit diesen Kombinationen, nicht mit anderen. Sie steuert außerdem den Technikcheck vor der Sitzung, in dem Aufzeichnung von Bildschirm und Sprachausgabe mit der jeweiligen Umgebung erprobt werden.

Fachliche Passung zum Nutzungskontext

Der Screener prüft, ob die Person zur Nutzergruppe des Angebots gehört: Kundin des Versicherers, Bürgerin, die das Bürgerportal nutzt, Beschäftigte in der Sachbearbeitung. Er fragt nach der Aufgabe, die die Person im Alltag mit vergleichbaren Angeboten ausführt, und nach ihrer Erfahrung mit der Fachdomäne.

Diese Kriterien stammen aus dem Nutzungskontext nach ISO 9241-210 und gelten für jeden Usability-Test. Bei Tests mit assistiven Technologien werden sie häufig übersprungen, weil die Technologie als das eigentliche Kriterium gilt. Das Ergebnis sind Sitzungen, in denen eine Person eine Aufgabe nicht versteht, weil sie den Fachkontext nicht kennt, und der Bericht daraus einen Befund zur Zugänglichkeit macht. Die Passung zur Domäne verhindert diese Verwechslung.

Grenzen

Der Screener erfasst Selbstauskünfte. Ob eine Person ihre Technologie so routiniert einsetzt, wie sie angibt, zeigt sich im Technikcheck und in den ersten Minuten der Sitzung. Wir planen deshalb einen Technikcheck vor jeder Sitzung ein und dokumentieren dort die Angaben aus dem Screener nach.

Der Screener sagt außerdem nichts über die Zusammensetzung der Stichprobe. Wie viele Sitzungen je Technologie nötig sind, folgt aus den Nutzergruppen im Nutzungskontext und aus der Fragestellung des Tests. Zahlen dazu nennen wir je Projekt, nicht allgemein.

Und der Screener ist kein Ersatz für den Zugang zu Teilnehmenden. Standard-Panels liefern Teilnehmende, aber selten Ihre Nutzenden. Der Zugang zu Menschen, die assistive Technologien routiniert einsetzen und zur Domäne passen, ist eine eigene Aufgabe der Rekrutierung.

Was danach vorliegt

Nach dem Screening liegt je Teilnehmerin und Teilnehmer ein Profil vor: Technologie mit Version, Erfahrungsdauer, Einstellungen, Gerät und Browser, Passung zur Nutzergruppe. Diese Profile gehen in den Prüfbericht als Angaben zur Methode ein. Sie machen Sitzungen untereinander vergleichbar, Befunde nachstellbar und die Nachprüfung planbar, weil dieselben Profile wieder rekrutiert werden können.