Wer den ersten Research-Zyklus über das gesamte Produkt legt, erzeugt Aufwand ohne klare Entscheidung am Ende. Ein eng geschnittener Nutzungskontext eignet sich für den Einstieg. Diese Checkliste hilft, einen Ausschnitt zu wählen: eine anstehende Entscheidung, eine erreichbare Nutzergruppe und eine überschaubare Aufgabenmenge.
Einordnung
Ein Nutzungskontext nach ISO 9241-11 beschreibt Nutzende, ihre Aufgaben, ihre Ausrüstung und ihre Umgebung. Ein Produkt hat meist mehrere davon: verschiedene Nutzergruppen, verschiedene Aufgaben, verschiedene Umgebungen. Für den ersten Zyklus wählen Sie einen. Die Punkte unten prüfen, ob der gewählte Ausschnitt eng genug ist und ob er an eine Entscheidung gebunden ist. Jeder Punkt hat eine Begründung; wo Sie nicht abhaken können, ist der Ausschnitt noch nicht fertig geschnitten.
Die Entscheidung
Es gibt eine Entscheidung, die ansteht, und sie ist in einem Satz formuliert. Ohne Entscheidung wird Research zur Bestandsaufnahme, deren Ergebnis niemand abholt.
Die Entscheidung hat einen Termin, und der Zyklus ist davor abgeschlossen. Ergebnisse nach dem Termin verändern nichts mehr.
Es ist benannt, wer die Entscheidung trifft, und diese Person nimmt am Zyklus teil. Wer entscheidet, ohne mitgeschaut zu haben, diskutiert über den Bericht statt über die Beobachtung.
Die Entscheidung kann in beide Richtungen ausgehen. Wenn das Ergebnis feststeht, ist der Zyklus eine Bestätigung und kein Research.
Die Nutzergruppe
Eine Nutzergruppe ist gewählt und über ihre Aufgaben beschrieben. „Sachbearbeiterinnen, die täglich Anträge prüfen" ist eine Nutzergruppe, „KMU-Kunden" ist ein Marktsegment.
Die Nutzergruppe ist erreichbar: Sie wissen, wie Sie Teilnehmende ansprechen, oder Sie haben den Zugang beauftragt. Ohne Zugang bleibt der beste Testplan liegen.
Die Teilnehmenden benutzen das Produkt oder werden es benutzen. Stellvertreter aus dem eigenen Haus liefern Meinungen über Nutzende und keine Beobachtungen an ihnen.
Die Umgebung, in der die Nutzergruppe arbeitet, ist bekannt und für die Erhebung zugänglich, vor Ort oder nachgestellt. Aufgaben, die im Feld anders ablaufen als im Besprechungsraum, müssen im Feld beobachtet werden.
Die Aufgabenmenge
Die Aufgaben für die Erhebung sind aufgelistet, und die Liste passt auf eine Seite. Wer mehr prüfen will, prüft nichts gründlich.
Jede Aufgabe hat einen Bezug zur Entscheidung. Aufgaben, deren Ergebnis die Entscheidung nicht verändert, gehören in einen späteren Zyklus.
Für jede Aufgabe gibt es einen Stand, an dem sie sich beobachten lässt: das Produkt, ein Prototyp oder eine Skizze. Ohne Gegenstand entsteht ein Gespräch über Wünsche.
Der Stand ist für die Erhebung freigegeben. Materialien, die nicht gezeigt werden dürfen, halten den Zyklus auf.
Das Team
Es ist festgelegt, welche Schritte extern beauftragt und welche intern verantwortet werden. Ohne Rollenverteilung landen Priorisierung und Entscheidung beim Dienstleister.
Beobachtungsplätze sind vorgesehen: Wer mitschaut, ist benannt und hat einen Auftrag. Ohne Auftrag entstehen im Nebenraum Meinungen.
Der Ort für die Ergebnisse ist benannt, auch wenn es zunächst ein Ordner ist. Ergebnisse, die niemand ablegt, gehen vor dem zweiten Zyklus verloren.
Ohne diese Angaben
Ohne die Entscheidung fehlt dem Zyklus das Ziel, und die Ergebnisse werden zur Kenntnis genommen. Ohne die Nutzergruppe fehlt der Zugang, und der Zyklus verschiebt sich, bis er ausfällt. Ohne die Aufgabenmenge wächst der Umfang, bis am Ende viele Befunde und keine Konsequenz stehen. Ohne die Rollenverteilung lernt das Team nichts, und der zweite Zyklus beginnt wie der erste. Ein Ausschnitt, der alle Punkte erfüllt, ist klein. Beim ersten Zyklus ist das die Voraussetzung dafür, dass am Ende eine Entscheidung steht, die sich auf Beobachtung stützt.
