Rollenbeschreibungen, Gate-Kriterien, Testberichte und Anforderungsdokumente zeigen, was in einer Organisation praktiziert wird. Interviews zeigen, was die Beteiligten darüber denken. Die Reifebewertung stützt sich auf beides, und die Artefakte werden vor den Interviews gesichtet. Die Checkliste führt auf, welche Artefakte das sind und welche Frage jedes davon beantwortet.
Einordnung
Im Assessment wird jede der vier Dimensionen mit Evidenz bewertet. Die Artefakte liefern die Evidenz dafür, was die Organisation tut; die Interviews liefern die Einordnung, warum sie es tut und wo es hakt. Wer die Artefakte vor den Interviews sichtet, kann im Gespräch nachfragen, statt sich Beschreibungen anzuhören. Die Liste ist nach den vier Dimensionen gegliedert. Was es nicht gibt, wird als fehlend vermerkt; das ist selbst ein Befund.
Prozesse
Beschreibung des Produktentwicklungsprozesses oder Vorgehensmodells. Frage: An welchen Stellen sind Nutzungskontextanalyse, Nutzungsanforderungen und Evaluation vorgesehen?
Gate-Kriterien, Definition of Done oder Freigabekriterien. Frage: Ist ein Nachweis mit Nutzenden Bedingung für ein Gate, oder nur Funktionsumfang und Testabdeckung?
Testberichte der letzten Releases. Frage: Wurde evaluiert, mit welchen Nutzenden, gegen welche Anforderungen, und was ist aus den Befunden geworden?
Anforderungsdokumente eines aktuellen Produkts. Frage: Sind Nutzungsanforderungen von Systemanforderungen unterschieden, und gibt es eine Beschreibung des Nutzungskontexts?
Vorlagen und Templates für Research und Evaluation. Frage: Gibt es einen wiederholbaren Standard, oder entsteht jedes Dokument neu?
Strukturen
Rollenbeschreibungen der Rollen mit Bezug zu Gebrauchstauglichkeit. Frage: Welche Rolle hat ein Mandat, und worüber darf sie entscheiden?
Organigramm und Berichtslinien. Frage: An wen berichten Research und Design, und wie weit ist der Weg zur Entscheidungsebene?
Eskalationsregeln oder Beschreibungen des Konfliktfalls. Frage: Wer entscheidet, wenn ein Befund und ein Termin in Konflikt stehen?
Sitzungsordnungen der Steuerungsrunden. Frage: In welcher Runde kommen Befunde und Kennzahlen auf die Tagesordnung, und wer bringt sie ein?
Kompetenzen
Stellenprofile der Rollen in Research, Design, Testing und Management. Frage: Welche Fähigkeiten werden vorausgesetzt, und wie viele Personen decken sie ab?
Weiterbildungsplan und Schulungsnachweise. Frage: Wird Kompetenz gezielt aufgebaut, und ist sie auf mehrere Personen verteilt?
Methodenbibliothek oder interne Leitfäden. Frage: Ist Wissen dokumentiert, sodass es ohne die Person nutzbar bleibt, die es aufgebaut hat?
Interne Formate zur Wissensweitergabe, etwa Community-Termine oder Reviews. Frage: Gibt es einen Weg, auf dem Kompetenz aus dem Team in andere Bereiche gelangt?
Kultur
Entscheidungsprotokolle der Produkt- und Roadmap-Runden eines abgeschlossenen Zeitraums. Frage: Wurde eine Research-Erkenntnis als Begründung herangezogen, und wer hat sie eingebracht?
Roadmap mit Begründungen je Vorhaben. Frage: Stehen Beobachtungen aus dem Nutzungskontext neben Marktargumenten und technischen Gründen?
Strategiepapiere und interne Kommunikation der Leitung. Frage: Erscheint Nutzerzentrierung als Ziel mit Konsequenz oder als Bekenntnis ohne Folge?
Beispiele für Entscheidungen gegen einen Befund, mit Begründung. Frage: Wird ein Befund auch dann dokumentiert, wenn die Entscheidung anders fällt?
Abschluss
Ohne die Artefakte bleibt die Bewertung bei Selbstauskunft: Die Interviews beschreiben dann eine Praxis, die sich nicht prüfen lässt. Fehlende Artefakte sind kein Grund, das Assessment zu verschieben. Sie werden als Befund aufgenommen, weil eine Organisation ohne Testberichte, ohne Rollenbeschreibung oder ohne Protokolle damit bereits eine Aussage über ihren Reifegrad macht. Was vorhanden ist, wird mit Version und Datum erfasst, damit die Wiederholungsmessung dieselben Dokumente in ihrer neuen Fassung sichten kann.
