Tastaturbedienung, Fokusreihenfolge, Beschriftungen, Fehlermeldungen, Kontrast und Zoom: Diese sechs Prüfpunkte kann ein Entwicklungsteam vor der Abnahme einer Story selbst prüfen, ohne Werkzeug und ohne externe Prüfung. Die Checkliste beschreibt je Punkt, wie die Prüfung abläuft, und grenzt sie gegen den Test mit Nutzenden assistiver Technologien ab.
Einordnung
Die Definition of Done legt fest, wann eine Story fertig ist. Wer Zugänglichkeit dort als Prüfpunkt aufnimmt, verlagert die erste Prüfung zu dem Team, das den Code kennt, und zu dem Zeitpunkt, an dem die Korrektur am günstigsten ist. Die folgenden sechs Punkte sind Selbsttests. Sie finden die Befunde, die ein Team ohne assistive Technologie im Alltag sehen kann. Was sie nicht finden, steht am Ende.
Checkliste
Tastaturbedienung: Jede Funktion der Story ist ohne Maus erreichbar und auslösbar. Prüfung: Maus beiseitelegen, mit Tab, Umschalt-Tab, Eingabe, Leertaste und Pfeiltasten durch die Story gehen und jede Aktion auslösen; ein Element, das sich so nicht erreichen lässt, ist für Screenreader und Schaltersteuerung nicht vorhanden.
Fokusreihenfolge: Der Fokus folgt der Leserichtung und ist jederzeit sichtbar. Prüfung: mit Tab durch die Seite gehen und beobachten, ob der Fokus in der Reihenfolge des Inhalts wandert, in Dialogen bleibt und nach dem Schließen zurückkehrt; ein springender oder unsichtbarer Fokus lässt Nutzende die Orientierung verlieren.
Beschriftungen: Jedes Eingabefeld, jeder Button und jedes Bild hat einen Namen, der den Zweck nennt. Prüfung: im Browser die Barrierefreiheitsansicht oder den Inspektor öffnen und je Element den zugänglichen Namen lesen; „Textfeld", „Button" oder ein technischer Feldname genügt nicht, weil die Sprachausgabe und die Sprachsteuerung darauf angewiesen sind.
Fehlermeldungen: Jede Fehlermeldung nennt das betroffene Feld, den Fehler und die Korrektur, und sie wird angesagt. Prüfung: das Formular mit Fehlern absenden und lesen, ob die Meldung dem Feld zugeordnet ist und ob der Fokus zur ersten Meldung springt; eine Meldung nur in roter Farbe erreicht weder Screenreader noch Menschen mit Farbfehlsicht.
Kontrast: Text und Bedienelemente heben sich vom Hintergrund ab, auch im Fokus- und Fehlerzustand. Prüfung: mit dem Kontrastwerkzeug des Design Systems oder des Browsers die Farbkombinationen der Story messen und mit den Vorgaben des Design Systems vergleichen; Platzhaltertext und deaktivierte Zustände gehören dazu.
Zoom: Die Story bleibt bei Browservergrößerung bedienbar, ohne horizontales Scrollen und ohne abgeschnittene Inhalte. Prüfung: die Seite im Browser vergrößern, bis das Layout umbricht, und jede Funktion erneut auslösen; Menschen, die mit Vergrößerung arbeiten, sehen einen Ausschnitt und verlieren Inhalte, die aus dem Ausschnitt fallen.
Abgrenzung zum Test mit Nutzenden assistiver Technologien
Diese sechs Punkte prüfen, ob die technischen Voraussetzungen da sind. Sie prüfen nicht, ob eine Aufgabe mit Screenreader, Vergrößerung und Sprachsteuerung zu Ende geführt wird und mit welchem Aufwand. Ein Formular kann alle sechs Punkte bestehen und trotzdem eine Reihenfolge haben, die im Kontext der Sprachausgabe keinen Sinn ergibt, oder Beschriftungen, die korrekt vorhanden und trotzdem missverständlich sind. Kompensationsverhalten, also die Umwege routinierter Nutzender, zeigt sich nur in der Beobachtung. Der Test mit Menschen, die diese Technologien benutzen, gehört deshalb an die Stelle, an der Muster und Aufgaben zusammenkommen: vor dem Release eines Epics oder in einem Prüfrhythmus, nicht in jeder Story.
Was ohne die Prüfpunkte fehlt
Ohne die sechs Punkte in der Definition of Done sammeln sich Befunde bis zur Prüfung vor dem Release, und der Sprint davor wird zur Korrekturrunde. Mit den Punkten findet das Team die technischen Befunde selbst, der Test mit Nutzenden findet die Befunde im Zusammenspiel, und die Verteilung der Befunde je Release wird zu einer Kennzahl, an der sich der Fortschritt ablesen lässt.
