Jede Aussage auf der Persona-Karte hat eine Quelle

Jede Aussage auf der Persona-Karte hat eine Quelle

Jede Aussage auf der Persona-Karte hat eine Quelle

Jede Aussage auf der Persona-Karte hat eine Quelle

|

Anforderungen

Von

leefs Redaktion

Eine Persona ist eine Verdichtung aus Interview- und Beobachtungsdaten. Damit ein Produktteam ihr im Streitfall nachgehen kann, muss jede Aussage auf der Karte ihre Quelle zeigen. Der Beitrag beschreibt, wie die Verdichtung abläuft, wie die Quellenangabe auf der Karte sichtbar bleibt und was passiert, wenn eine Zeile ohne Quelle stehen bleibt.

Ausgangslage

Personas werden im Kickoff gezeigt und danach als gegeben behandelt. Wenn im Refinement ein Entwickler fragt, woher die Angabe stammt, dass die Persona „ungeduldig mit Formularen" sei, gibt es zwei mögliche Antworten. Entweder jemand kann die Interviews nennen, in denen das beobachtet wurde. Oder die Angabe stammt aus dem Workshop, in dem die Persona entstanden ist, und dann ist sie eine Annahme, die das Team seit Monaten als Datum behandelt.

Nach ISO 9241-210 gehören Personas zur Beschreibung des Nutzungskontexts, genauer zur Beschreibung der Nutzergruppen. Sie sind ein Artefakt, das erhobene Daten in eine Form bringt, die im Alltag lesbar ist. Die Lesbarkeit hat einen Preis: Die Quelle verschwindet hinter dem Namen und dem Foto.

Schritt 1: Aussagen aus dem Material codieren

Die Verdichtung beginnt im Material. Jede Aussage, die für eine Persona relevant werden kann, bekommt einen Code und die Kennung ihrer Fundstelle: Interview und Zeitstempel, oder Beobachtung, Sitzung und laufende Nummer. Codes beschreiben Aufgaben, Verhaltensweisen, Arbeitsmittel, Bedingungen und Einstellungen. Wir codieren aus Transkripten und Beobachtungsprotokollen, nie aus der Erinnerung an das Gespräch.

Das Ergebnis ist eine Tabelle mit Codes und Fundstellen. Sie ist das Bindeglied zwischen Material und Persona und bleibt im Projekt erhalten.

Schritt 2: Verhaltensmuster gruppieren

Aus den Codes werden Muster gebildet: Personen, die eine Aufgabe auf ähnliche Weise erledigen, ähnliche Arbeitsmittel benutzen oder unter ähnlichen Bedingungen arbeiten. Die Gruppierung folgt dem Verhalten und nicht der Demografie. Zwei Landwirte mit demselben Alter und derselben Betriebsgröße können verschiedenen Mustern angehören, wenn einer die Maschine selbst einstellt und der andere den Lohnunternehmer ruft.

Jede Gruppe erhält eine Liste der Personen aus dem Material, die zu ihr gehören, und die Codes, die die Gruppe von den anderen unterscheiden. An dieser Stelle wird entschieden, wie viele Personas es geben wird. Die Entscheidung wird begründet und dokumentiert.

Schritt 3: Die Karte schreiben, mit Quelle je Zeile

Aus jeder Gruppe entsteht eine Persona-Karte. Jede Zeile auf der Karte bekommt eine Quellenangabe: die Kennungen der Interviews oder Beobachtungen, aus denen sie stammt, und den Anteil der Personen in der Gruppe, bei denen das Merkmal auftrat. Die Zeile „stellt die Maschine selbst ein, nach der Anleitung vom Vorjahr" führt dann die Kennungen der Personen, bei denen das beobachtet wurde.

Die Quellenangabe steht auf der Karte selbst, in kleiner Schrift neben der Zeile oder als Nummer mit Fußnote. Ein Anhang, der getrennt von der Karte liegt, wird im Refinement nicht geöffnet. Zitate auf der Karte sind wörtlich aus dem Transkript und führen den Zeitstempel. Ein Foto bekommt keine Quelle, weil es keine Aussage ist.

Schritt 4: Zeilen ohne Quelle kennzeichnen

Beim Schreiben entsteht der Wunsch, die Karte zu vervollständigen: ein Alter, ein Familienstand, ein Satz zur Motivation, der die Persona rund macht. Solche Zeilen dürfen auf der Karte stehen, wenn sie als Annahme gekennzeichnet sind. Wir markieren sie sichtbar und führen sie in einer Liste, die bei der nächsten Erhebung geprüft wird.

Eine Zeile ohne Quelle und ohne Kennzeichnung ist das Problem. Sie sieht aus wie die anderen. Im Refinement wird sie wie ein Datum behandelt, und eine Entscheidung fällt auf ihrer Grundlage. Wenn die Entscheidung später angezweifelt wird, findet niemand die Quelle, und die Persona verliert als Ganzes an Glaubwürdigkeit, auch in den Zeilen, die erhoben sind.

Grenzen

Die Quelle je Zeile macht die Persona nachvollziehbar, nicht repräsentativ. Wie viele Personen hinter einer Gruppe stehen, ergibt sich aus der Stichprobe der Feldphase, und die ist in qualitativen Studien klein. Die Anzahl der Kennungen je Zeile zeigt, wie breit ein Merkmal in der Stichprobe beobachtet wurde, mehr nicht. Außerdem altert die Persona mit dem Nutzungskontext. Die Codes aus der Feldphase beschreiben einen Zeitpunkt.

Was danach vorliegt

Ein Persona-Set, bei dem jede Karte eine Gruppe aus dem Material vertritt, jede Zeile eine Quelle führt und Annahmen als solche markiert sind. Dazu die Codetabelle als Bindeglied zum Material. Ein Produktteam kann im Streitfall von der Zeile zur Fundstelle gehen. Und es kann selbst entscheiden, ob eine Zeile für eine anstehende Entscheidung stark genug ist.