Der Screener entscheidet vor der ersten Sitzung, ob in der Studie Menschen sitzen, die die Aufgabe im Alltag ausführen. Die Checkliste führt die Kriterien auf, die über die Demografie hinausgehen: Aufgabe im Alltag, Häufigkeit, Arbeitsmittel, Umgebung, Erfahrungsdauer und Verfügbarkeit im Kalender. Je Kriterium steht, wie wir danach fragen und was ohne die Angabe im Test fehlt. Sie ist für Research-Verantwortliche gedacht, die einen Screener für einen Panelanbieter oder für die eigene Rekrutierung schreiben.
Einordnung
Ein Screener ist ein kurzer Fragebogen vor der Rekrutierung. Wir schreiben ihn aus dem Nutzungskontext nach ISO 9241-210: Nutzende, Aufgaben, Arbeitsmittel, Umgebung. Jede Frage soll eine Person, die die Aufgabe ausführt, von einer trennen, die sie kennt. Deshalb fragen wir nach Ereignissen („Wann haben Sie zuletzt …") und nicht nach Selbsteinschätzungen („Wie vertraut sind Sie mit …"). Demografische Fragen bleiben im Screener, wo sie eine Anforderung verändern; sie stehen am Ende. Ein Review prüft je Punkt, ob die Frage im Screener steht und ob sie eine Ausschlussregel hat.
Aufgabe im Alltag
Der Screener fragt nach der konkreten Aufgabe der Studie und nach dem letzten Mal, an dem die Person sie selbst ausgeführt hat. Ohne die Angabe bedienen Teilnehmende das Produkt zum ersten Mal, und die Befunde beschreiben den Ersteinstieg statt der Nutzung.
Der Screener trennt die Person, die die Aufgabe ausführt, von der Person, die sie beauftragt, freigibt oder das Produkt kauft. Ohne die Trennung sitzen Entscheidende im Test, und die Umwege der Personen, die die Aufgabe ausführen, bleiben unsichtbar.
Zu jeder Aufgabenfrage gibt es eine Antwort, die zum Ausschluss führt. Ein Screener ohne Ausschlussregel beschreibt Teilnehmende, er wählt sie nicht aus.
Häufigkeit
Der Screener fragt nach der Häufigkeit in einem festen Zeitraum: in der letzten Woche, im letzten Monat, in der letzten Saison. Ohne die Angabe mischen sich Routine und Gelegenheit in einer Stichprobe, und ein Befund lässt sich keiner Gruppe zuordnen.
Bei saisonalen Aufgaben ist der Zeitraum an die Saison angepasst. Die Frage nach der letzten Woche ergibt im Winter für eine Erntedokumentation bei allen dieselbe Antwort.
Arbeitsmittel
Der Screener fragt, womit die Person die Aufgabe ausführt: Gerät, Anwendung, Terminal, Papier, ein zweites System daneben. Ohne die Angabe steht im Test ein Gerät, das die Person im Alltag nicht benutzt, und der Befund gilt für eine Kombination, die es im Feld nicht gibt.
Bei Fachanwendungen fragt der Screener nach dem Produkt und der Generation, mit der die Person arbeitet, etwa der Terminalgeneration oder der Version der Kanzleisoftware. Ohne die Angabe lassen sich Gewohnheiten aus dem Vorgängersystem im Test nicht von Befunden am Prüfgegenstand unterscheiden.
Der Screener fragt nach Hilfsmitteln, die die Person zur Aufgabe mitbringt, einschließlich assistiver Technologien mit Produkt und Einstellungen. Ohne die Angabe fehlen die Bedingungen, unter denen der Test stattfinden muss. Für Tests mit assistiven Technologien beschreibt TG-06 die Screening-Kriterien im Einzelnen.
Umgebung
Der Screener fragt, wo die Aufgabe stattfindet und unter welchen Bedingungen: Kabine, Halle, Leitstand, Büro, unterwegs; Handschuhe, Lärm, Sonne, Zeitdruck, Unterbrechungen. Ohne die Angabe findet der Test unter Bedingungen statt, die es im Feld nicht gibt, und Bedienhürden fallen erst im Betrieb auf.
Der Screener fragt, wer während der Aufgabe dabei ist: allein, mit Kollegin oder Kollege, mit wartendem Kunden. Ohne die Angabe fehlt der Zeitdruck aus der sozialen Umgebung, und der Test misst eine Ruhe, die im Alltag nicht vorkommt.
Erfahrungsdauer
Der Screener fragt, seit wann die Person die Aufgabe ausführt und seit wann mit dem aktuellen Arbeitsmittel. Ohne die Angabe lassen sich Befunde von Neueinsteigenden und Befunde von Routinierten nicht trennen, obwohl beide Gruppen gegenläufige Anforderungen haben.
Der Screener fragt nach Vorgängersystemen und Wechseln. Ohne die Angabe wird eine Gewohnheit aus dem alten System als Befund am neuen gewertet.
Verfügbarkeit im Kalender
Der Screener fragt nach den Zeiten, in denen die Person nicht erreichbar ist: Ernte, Kampagne, Schichtplan, Abschlusstermine. Ohne die Angabe rutscht die Studie in die Zeit, in der nur die Menschen Zeit haben, die die Aufgabe nicht ausführen.
Der Screener fragt, an welchem Ort eine Sitzung möglich ist und ob Beobachtung am Arbeitsplatz in Frage kommt. Ohne die Angabe ist die Sitzung remote geplant, obwohl die Umgebung für die Aufgabe eine Rolle spielt.
Der Screener fragt nach einem Reservetermin. Ohne Reserve ersetzt bei einer Absage die nächstbeste Person aus dem Pool die passende.
Was ohne diese Prüfpunkte passiert
Ein Screener, der nur Beruf, Branche und Region prüft, liefert Menschen, die zum Profil passen. Standard-Panels liefern Teilnehmende, aber selten Ihre Nutzenden. Die Prüfpunkte oben sind der Unterschied: Sie machen aus einer Profilbeschreibung eine Auswahl nach Aufgabe, Arbeitsmittel, Umgebung und Erfahrung. Ein Screener mit diesen Fragen senkt die Trefferquote in einem Standard-Panel. Damit zeigt er vor der Studie, ob der Pool die Zielgruppe enthält, und er ist die Vorlage für die Rekrutierung über Betrieb, Vertrieb, Verband oder ein Spezial-Panel, wenn der Pool sie nicht enthält.
