Was wir in Panels für assistive Technologien erheben

Was wir in Panels für assistive Technologien erheben

Was wir in Panels für assistive Technologien erheben

Was wir in Panels für assistive Technologien erheben

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Anforderungen

Von

leefs Redaktion

Eine Anfrage für einen Usability-Test nennt als Zielgruppe „Menschen mit Sehbehinderung". Für die Rekrutierung reicht das nicht, und für eine Persona auch nicht. Wir beschreiben, welche Merkmale wir in unseren Panels für assistive Technologien bei der Aufnahme erheben: eingesetzte Hilfsmittel, Erfahrungsgrad, Arbeitsaufgaben und Arbeitsumgebung. Und wir benennen, wo diese Erhebung endet.

Ausgangslage

Die Anfrage kommt meist so: Ein Team plant einen Test mit Screenreader-Nutzenden und fragt, ob wir Teilnehmende haben. Wir fragen zurück: Welcher Screenreader, mit welchem Browser, am Arbeitsplatz oder privat, für welche Aufgabe? An dieser Stelle wird es oft still. Standard-Panels liefern Teilnehmende, aber selten Ihre Nutzenden. Für assistive Technologien gilt das in verschärfter Form. Ein Panel, das „Menschen mit Sehbehinderung" als Merkmal führt, sagt nichts darüber, welcher Screenreader eingesetzt wird, wie geübt die Person damit ist und ob sie ihn am Arbeitsplatz oder privat benutzt. Für eine Persona, aus der Anforderungen an Struktur, Reihenfolge und Benennung abgeleitet werden sollen, sind diese Angaben der Kern.

Wir führen deshalb eigene Panels für assistive Technologien, also Verzeichnisse von Personen, die sich für Studien bereit erklärt haben und deren Merkmale wir bei der Aufnahme erfassen. Erhoben wird, was später auf der Persona-Karte und in der Rekrutierung für Tests gebraucht wird. Umfang und Zusammensetzung der Panels sind an dieser Stelle nicht dokumentiert; wir beschreiben, was wir erheben, und nennen keine Zahlen.

Eingesetzte Hilfsmittel

Wir erfassen die Technologie mit Produkt, Version und den Einstellungen, die die Nutzung prägen. Bei Screenreadern: welcher, mit welchem Browser, mit Braillezeile oder Sprachausgabe. Bei Vergrößerung: Software oder Betriebssystemfunktion, übliche Stufe, Kontrastmodus. Bei Sprachsteuerung: welches System, Diktat oder Navigation oder beides. Dazu alternative Eingabegeräte. Wir fragen auch, ob mehrere Hilfsmittel kombiniert werden und in welcher Situation welches zum Einsatz kommt. Aus diesen Angaben entscheiden wir, ob eine Person für einen konkreten Test in Frage kommt und welche Bedingungen im Test nachgestellt werden.

Erfahrungsgrad

Den Erfahrungsgrad erfassen wir zweifach: mit der Technologie selbst und mit der Art von Aufgabe, um die es im Projekt geht. Eine Person, die seit Jahren mit Screenreader arbeitet, navigiert anders als eine, die ihn seit kurzem benutzt. Ein Test mit nur einer der beiden Gruppen bildet den Nutzungskontext zum Teil ab. Wir fragen nach der Navigationsstrategie, also danach, wie sich die Person auf einer Seite bewegt: über Überschriften, Landmarken, Tabulator, Suche oder Kombinationen davon. Und wir fragen nach dem Umgang mit Hindernissen: Was tut die Person, wenn eine Seite nicht zugänglich ist? Die Antworten zeigen das Kompensationsverhalten, das in automatisierten Prüfungen unsichtbar bleibt, und sie gehören in die Persona.

Arbeitsaufgaben

Wir erfassen, in welchem beruflichen oder privaten Zusammenhang die Technologie eingesetzt wird und für welche Aufgaben: Korrespondenz, Formulare, Fachanwendungen, Portale, Kommunikation. Ohne diese Angabe lässt sich keine Persona mit Aufgabenbezug bilden, und die Rekrutierung für einen Test trifft Menschen, die die Aufgabe nicht kennen. Bei Fachanwendungen fragen wir zusätzlich nach der Rolle im Betrieb und danach, ob die Technologie vom Arbeitgeber bereitgestellt oder privat mitgebracht wird. Der Unterschied zeigt sich im Test: Eine Person mit privatem Hilfsmittel am Arbeitsplatz hat oft Einstellungen, die die IT-Abteilung nicht kennt.

Arbeitsumgebung

Die Umgebung bestimmt, unter welchen Bedingungen die Technologie eingesetzt wird: Großraumbüro oder Einzelbüro, Homeoffice, unterwegs, mit Kopfhörer oder Lautsprecher, mit oder ohne Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen. Für Sprachsteuerung ist der Lärmpegel eine Bedingung, für Vergrößerung die Bildschirmgröße, für Screenreader die Möglichkeit, Audio zu hören. Diese Angaben gehen in die Umgebungsbeschreibung der Persona ein und in die Planung des Tests: wo er stattfindet, mit welchem Gerät und mit welcher Ausstattung.

Von der Panelangabe zur Persona

Die Merkmale aus dem Panel werden nicht direkt zur Persona. Sie sind die Grundlage für die Rekrutierung von Interviews und Beobachtungen, aus denen die Persona nach demselben Verfahren entsteht wie jede andere: codieren, gruppieren, gegen den Nutzungskontext prüfen. Die Panelangaben stellen sicher, dass die passenden Personen im Material sind. Die Persona-Karte führt am Ende Technologie, Navigationsstrategie, Erfahrungsgrad und Umgebung als Zeilen mit Quelle.

Der Einwand, dass dieser Aufwand bei der Aufnahme die Rekrutierung verlangsamt, trifft zu. Wir nehmen ihn in Kauf, weil die Nachfrage im Projekt teurer ist: Eine Person, die am Testtag mit einer anderen Technologie erscheint als erwartet, kostet den Termin.

Grenzen

Die Erhebung im Panel ist eine Selbstauskunft. Was eine Person über ihre Navigationsstrategie sagt, kann von dem abweichen, was sie im Test tut; erst die Beobachtung zeigt den Unterschied. Die Panels decken die Technologien ab, für die wir rekrutiert haben. Umfang, Regionen und Technologieabdeckung sind nicht dokumentiert, und ein Projekt, das eine seltene Technologie oder eine bestimmte Region braucht, klärt vorab mit uns, ob das Panel dafür ausreicht. Assistive Technologien ändern sich mit jeder Version, und die Angaben im Panel altern; wir aktualisieren sie vor jedem Test. Und die Erhebung sagt nichts über rechtliche Anforderungen: Ob und wie das BFSG oder andere Vorgaben für Ihr Angebot gelten, klärt Ihre Rechtsabteilung.

Was danach vorliegt

Nach der Rekrutierung aus dem Panel liegen für Ihr Projekt Teilnehmende vor, deren Technologie, Erfahrungsgrad, Aufgaben und Umgebung zum Nutzungskontext des Vorhabens passen. Die Persona, die daraus entsteht, führt die Angaben, aus denen sich Anforderungen an Struktur, Reihenfolge und Benennung ableiten lassen. Der Test am Ende findet unter denselben Bedingungen statt, die die Persona beschreibt. Auf der Website heißt es dafür: „Geprüft mit Menschen, die Screenreader, Vergrößerung und Sprachsteuerung benutzen."