Rollen brauchen unterschiedliche Methodentiefe

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Verankerung

Von

leefs Redaktion

Ein Trainingsplan, der allen dieselbe Schulung gibt, verfehlt beide Seiten: Produktverantwortliche lernen Interviewtechnik, die sie nie anwenden, und die Research-Rolle sitzt in Grundlagen, die sie beherrscht. Rollen brauchen unterschiedliche Methodentiefe. Dieser Beitrag ordnet die vier Kompetenzfelder Research, Design, Testing und Management den typischen Rollen zu und benennt je Rolle die Tiefe, die der Prozess verlangt.

Ausgangslage

Der menschzentrierte Gestaltungsprozess nach ISO 9241-210 verteilt seine Aufgaben auf mehrere Rollen. Der Nutzungskontext wird erhoben, Nutzungsanforderungen werden abgeleitet und priorisiert, Gestaltungslösungen entstehen, und die Evaluation prüft sie mit Nutzenden. Keine dieser Aufgaben liegt bei einer einzelnen Rolle allein. Die Research-Rolle erhebt, aber die Produktverantwortliche priorisiert. Die Designerin gestaltet, aber die Entwicklung entscheidet über Machbarkeit. Damit brauchen alle Beteiligten Kompetenz in jedem Feld, aber in unterschiedlicher Tiefe.

Wir unterscheiden drei Tiefen. Verstehen und einordnen: Die Person kann Ergebnisse lesen, ihre Qualität beurteilen und daraus Entscheidungen ableiten. Anwenden unter Anleitung: Die Person führt die Methode durch, wenn Planung und Review bei jemand anderem liegen. Selbstständig planen und durchführen: Die Person verantwortet die Methode vollständig, von der Planung bis zur Auswertung, und leitet andere an.

Kompetenzfeld Research

Research umfasst die Erhebung des Nutzungskontexts und die Ableitung von Nutzungsanforderungen: Interviews, Beobachtung, Auswertung, Personas, Anforderungsformulierung.

Die Research-Rolle braucht hier die volle Tiefe. Sie plant Erhebungen, wählt Methoden, rekrutiert oder beauftragt Rekrutierung und wertet aus.

Die Produktverantwortliche braucht die Tiefe „verstehen und einordnen". Sie muss beurteilen können, ob ein Nutzungskontextbericht vollständig ist, ob eine Nutzungsanforderung auf Beobachtung beruht und was eine Priorisierung für das Backlog bedeutet. Sie muss keine Interviews führen. Wenn sie es kann, hilft es beim Mitschauen, ist aber keine Voraussetzung.

Designerinnen und Entwicklung brauchen ebenfalls „verstehen und einordnen": Sie arbeiten mit Nutzungsanforderungen und müssen erkennen, wenn eine Anforderung eine Lösung vorwegnimmt oder wenn der Nutzungskontext für ihre Entscheidung nicht ausreicht.

Kompetenzfeld Design

Design umfasst den Weg von Nutzungsanforderungen zu Gestaltungslösungen: Interaktionskonzept, Informationsarchitektur, Prototyping, Dialoggestaltung nach ISO 9241-110.

Die Designerin braucht die volle Tiefe. Die Research-Rolle braucht „verstehen und einordnen", damit sie beurteilen kann, ob eine Lösung die Anforderungen aufnimmt, und damit sie Evaluationsaufgaben aus der Lösung ableiten kann. Die Produktverantwortliche braucht ebenfalls „verstehen und einordnen", weil sie über Varianten entscheidet. Die Entwicklung braucht „anwenden unter Anleitung" für die Stellen, an denen sie Dialoge ohne Designerin umsetzt, etwa Fehlermeldungen und Formularverhalten. Die Grundsätze der Dialoggestaltung sind hier der Prüfmaßstab.

Kompetenzfeld Testing

Testing umfasst die Evaluation: Usability-Tests planen, moderieren, auswerten, Befunde mit Schweregraden dokumentieren, Expertenevaluationen gegen ISO 9241-110 durchführen.

Die Research-Rolle oder eine eigene Evaluationsrolle braucht die volle Tiefe. Die Designerin braucht „anwenden unter Anleitung", damit sie Prototypen in frühen Ständen selbst prüfen kann, wenn ein Testplan vorliegt. Produktverantwortliche und Entwicklung brauchen „verstehen und einordnen": Sie sitzen beim Test im Nebenraum, lesen Befundkataloge und entscheiden über Konsequenzen. Wer Befunde liest, muss wissen, was ein Schweregrad bedeutet und wie er zustande kam.

Kompetenzfeld Management

Management umfasst die Verankerung: Rollen und Verantwortlichkeiten, Entscheidungspunkte im Prozess, Kennzahlen zur Gebrauchstauglichkeit, Budget und Planung von Research über mehrere Vorhaben.

Heads of Design und UX-Verantwortliche brauchen hier die volle Tiefe. Produktverantwortliche brauchen „anwenden unter Anleitung", weil sie in ihrem Vorhaben Entscheidungspunkte setzen und Kennzahlen mitverantworten. Die Research-Rolle braucht „verstehen und einordnen", damit sie ihre Arbeit in die Planung der Organisation einordnet. Für Designerinnen und Entwicklung reicht in diesem Feld das Wissen, an welchen Entscheidungspunkten Evidenz vorliegen muss.

Grenzen

Die Zuordnung beschreibt typische Rollen in Produktorganisationen. In kleinen Teams fallen Rollen zusammen, und dann braucht eine Person mehrere Tiefen. In Organisationen ohne Research-Rolle liegt die volle Tiefe in Research und Testing zunächst extern; die internen Rollen brauchen dann „verstehen und einordnen" umso dringender, weil sie die externen Ergebnisse beurteilen müssen. Die Zuordnung ersetzt außerdem nicht die Erhebung der vorhandenen Fähigkeiten. Sie beschreibt den Sollzustand. Wo die Personen stehen, zeigt erst die Kompetenzlandkarte.

Was danach vorliegt

Aus der Zuordnung entsteht eine Tabelle Rolle mal Kompetenzfeld mit der benötigten Tiefe je Zelle. Sie ist der Maßstab, an dem die Kompetenzlandkarte die Lücken misst, und die Grundlage für einen Trainingsplan, der Grundlagen für alle vorsieht und Tiefe dort, wo die Rolle sie verlangt. Für die Auswahl von Zertifizierungspfaden je Rolle gibt es eine eigene Checkliste.