Ein Bedienkonzept, das in einem Markt geprüft ist, gilt im nächsten Markt nicht automatisch. Bevor ein Team lokalisiert, sollte es wissen, ob Betriebsstruktur, Vorschriften, Arbeitsteilung und Gerätegewohnheiten im Zielmarkt dieselben Aufgaben ergeben. Der Beitrag beschreibt ein Vergleichsraster, mit dem diese Prüfung vor der Übersetzung stattfindet.
Ausgangslage: Die Übersetzung ist der letzte Schritt
Bei einer Markteinführung in weiteren Ländern beginnt die Arbeit häufig mit der Lokalisierung: Texte übersetzen, Einheiten umstellen, Formate anpassen, Vorschriften nachziehen. Das setzt voraus, dass die Aufgaben der Nutzenden im neuen Markt dieselben sind. In unseren internationalen Feldstudien war das an mehreren Stellen nicht der Fall. Was in einem norddeutschen Ackerbaubetrieb funktioniert, hält in anderen Märkten nicht stand, weil sich dort die Betriebe, die Arbeitsteilung und die Gewohnheiten am Gerät unterscheiden. Nach ISO 9241-210 steht das Verstehen des Nutzungskontexts am Anfang, und nach ISO 9241-11 ist der Nutzungskontext die Bedingung, unter der Gebrauchstauglichkeit gemessen wird. Ein neuer Markt ist ein neuer Nutzungskontext, bis das Gegenteil erhoben ist.
Das Vergleichsraster
Das Raster hat vier Dimensionen. Für jede wird je Markt erhoben, was gilt, und dann verglichen, ob die Aufgaben der Nutzenden dieselben bleiben.
Betriebsstruktur. Größe und Organisation der Betriebe, Anteil von Lohnunternehmen oder Dienstleistern, Eigentum am Gerät, Entscheidungswege für Anschaffung und Einstellung. Ein Bedienkonzept, das davon ausgeht, dass die Person am Gerät auch die Person ist, die den Betrieb plant, scheitert dort, wo Planung und Bedienung getrennt sind.
Vorschriften. Dokumentationspflichten, Nachweise gegenüber Behörden, Einheiten und Formate, die vorgeschrieben sind. Sie bestimmen, welche Daten am Gerät erfasst werden müssen und in welcher Form sie das Gerät verlassen. Welche Vorschriften im Zielmarkt gelten, klärt die Rechtsabteilung; das Raster hält fest, welche Aufgaben daraus am Gerät entstehen.
Arbeitsteilung. Wer plant, wer bedient, wer wartet, wer auswertet. In einem Markt liegt alles bei einer Person, im nächsten verteilt auf Betriebsleitung, Fahrer, Lohnunternehmen und externe Beratung. Jede Rolle hat eigene Aufgaben und braucht eigene Ansichten.
Gerätegewohnheiten. Welche Terminals, Apps und Bedienmuster die Nutzenden bereits kennen, welche Begriffe sie dafür benutzen und welche Wege sie gewohnt sind. Ein Konzept, das einem verbreiteten Muster im Heimatmarkt folgt, kann im Zielmarkt gegen ein anderes verbreitetes Muster stehen.
Erhebung je Markt
Das Raster wird im Feld gefüllt, nicht aus Sekundärquellen allein. Dafür braucht es lokale Rekrutierung, weil Betriebe und Rollen im Zielmarkt anders verteilt sind als im Heimatmarkt, und Sprache im Feld, weil Beobachtung und Nachgespräch in der Sprache der Nutzenden stattfinden. Das Setup für mehrsprachige Sessions mit Dolmetschen und Streaming beschreibt die zugehörige Anleitung. Je Markt entstehen Protokolle nach demselben Raster wie im Heimatmarkt, damit die Einträge vergleichbar sind.
Für die Landwirtschaft rekrutieren wir aus dem eigenen Panel mit Betrieben in mehreren Märkten; für andere Branchen wird der Zugang je Markt aufgebaut.
Auswertung: übertragbar, anzupassen, neu
Der Vergleich ordnet jedes Element des Bedienkonzepts einer von drei Kategorien zu. Die drei Kategorien sind vollständig; jedes Element fällt in eine davon.
Übertragbar: Aufgabe, Rolle und Bedingung sind im Zielmarkt dieselben. Hier reicht die Lokalisierung.
Anzupassen: Die Aufgabe ist dieselbe, aber Rolle, Vorschrift oder Gewohnheit weichen ab. Hier ändert sich ein Teil des Konzepts, etwa eine Ansicht je Rolle oder ein Exportformat.
Neu: Im Zielmarkt gibt es eine Aufgabe, die im Heimatmarkt nicht vorkommt, oder eine Aufgabe aus dem Heimatmarkt entfällt. Hier entsteht ein Teil des Konzepts neu, und er wird im Zielmarkt geprüft.
Das Ergebnis ist eine Tabelle je Element mit Kategorie und Fundstelle im Protokoll. Aus den Einträgen der zweiten und dritten Kategorie entstehen Nutzungsanforderungen je Markt.
Grenzen
Das Raster prüft die Übertragbarkeit des Bedienkonzepts. Es ersetzt weder die Marktanalyse noch die rechtliche Prüfung der Vorschriften. Die Erhebung im Feld deckt die Betriebe und Regionen ab, die im Studienfenster erreichbar waren; ein Land mit mehreren Anbauregionen oder Betriebsformen braucht mehrere Erhebungen. Und das Raster sagt, wo sich Aufgaben unterscheiden, aber nicht, wie das Produkt darauf reagieren soll; diese Entscheidung bleibt beim Produktteam.
Was danach vorliegt
Am Ende liegen das gefüllte Raster je Markt, die Vergleichstabelle mit der Einordnung jedes Elements, die Nutzungsanforderungen für die anzupassenden und neuen Teile und die Protokolle aus dem Feld vor. Das Team weiß vor der Lokalisierung, welche Teile des Konzepts übersetzt werden können und welche Teile im Zielmarkt neu entstehen und geprüft werden.
