Die Dialogprinzipien der ISO 9241-110 als Prüfraster für KI-Oberflächen

Die Dialogprinzipien der ISO 9241-110 als Prüfraster für KI-Oberflächen

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KI menschzentriert

Von

leefs Redaktion

Vor der Freigabe einer Funktion, die aus einem Vorgang eine Zusammenfassung erzeugt, sitzt das Team im Review und braucht ein Kriterienset, das es nicht erst selbst entwickeln muss. ISO 9241-110 liefert es mit sieben Grundsätzen der Dialoggestaltung: Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Erwartungskonformität, Erlernbarkeit, Steuerbarkeit, Fehlertoleranz und Benutzerbindung. Die Checkliste geht die Grundsätze einzeln durch und formuliert je Grundsatz Prüfpunkte für eine Funktion mit generierter Ausgabe.

Einordnung

Die sieben Grundsätze gelten für jede interaktive Oberfläche, und sie gelten für Funktionen, deren Ausgabe schwankt oder Fehler enthalten kann. Was sich ändert, ist die Prüffrage je Grundsatz. Wir setzen die Liste im Expert Review vor der Freigabe ein, also in der Prüfung durch Fachleute ohne Nutzende; sie bereitet den Usability-Test mit der Nutzergruppe vor und ersetzt ihn nicht. Je Punkt steht die Anforderung und woran Sie im Review erkennen, ob sie erfüllt ist. Als Beispiel dient eine Funktion, die aus einem Vorgang eine Zusammenfassung erzeugt; die Punkte gelten für Zuordnungen, Entwürfe und Vorschläge entsprechend. Legen Sie vor dem Review die Nutzungsanforderung mit der Merkmalsliste der Ausgabe neben sich; ohne sie bleiben mehrere Punkte nicht prüfbar.

Aufgabenangemessenheit

  • Die Ausgabe enthält die Angaben, die die Person für den nächsten Arbeitsschritt braucht, und keine, die ihn stören. Prüfen Sie gegen die Merkmalsliste aus der Nutzungsanforderung; fehlt diese Liste, ist der Punkt nicht prüfbar.

  • Der Aufwand für Prüfung und Korrektur der Ausgabe ist für die Aufgabe angemessen. Das erkennen Sie an einem Vergleichswert aus dem bisherigen Ablauf; ohne Vergleichswert bleibt der Punkt eine Annahme.

  • Die Funktion greift an der Stelle im Ablauf ein, an der die Person die Ausgabe verwenden kann. Eine Ausgabe, die erscheint, bevor die Eingaben vollständig sind, erzeugt Korrekturaufwand ohne Nutzen.

Selbstbeschreibungsfähigkeit

  • Die Ausgabe ist als generierter Vorschlag erkennbar und von Bestandsdaten unterscheidbar. Prüfen Sie die Kennzeichnung an der Ausgabe selbst und nicht in der Hilfe.

  • Die Ausgabe zeigt, was sie verarbeitet hat und was nicht: Dokumente, Stand, ausgelassene Teile. Ein Befund liegt vor, wenn die Person nicht erkennen kann, ob ein Anhang berücksichtigt wurde.

  • Stellen, die geprüft werden müssen, sind markiert: Pflichtangaben, Zahlen, Aussagen ohne Herkunft im Original. Prüfen Sie, ob die Markierung auf die Stelle im Original verweist.

Erwartungskonformität

  • Vor dem ersten Durchlauf ist erkennbar, dass ein erneuter Durchlauf ein anderes Ergebnis liefern kann. Prüfen Sie Beschriftung und Einführung an der Stelle, an der die Funktion ausgelöst wird.

  • Die Merkmale, die die Aufgabe braucht, bleiben über Durchläufe konstant: Struktur, Position der Pflichtangaben, Kennzeichnung fehlender Angaben. Vergleichen Sie mehrere Ausgaben zu derselben Eingabe.

  • Die Funktion verhält sich in allen Bereichen der Anwendung gleich: dieselbe Kennzeichnung, dieselbe Wiederholungsmöglichkeit, derselbe Korrekturweg. Abweichungen zwischen Modulen sind ein Befund.

Erlernbarkeit

  • Die Person kann aus der Oberfläche lernen, wann die Ausgabe verlässlich ist und wann sie prüfen muss. Prüfen Sie, ob unsichere Stellen oder ausgelassene Eingaben je Ausgabe angezeigt werden.

  • Der Umgang mit der Schwankung ist ohne Schulung erschließbar: Erneuter Durchlauf, Vergleich und Verwerfen sind als Handlungen benannt und sichtbar. Ein Befund liegt vor, wenn eine dieser Handlungen nur über ein Menü oder eine Tastenkombination erreichbar ist.

Steuerbarkeit

  • Die Person entscheidet, ob und wann die Funktion läuft. Ein Befund liegt vor, wenn die Ausgabe ohne Auslösung erscheint oder sich ohne Bestätigung in den Vorgang schreibt.

  • Die Person kann zwischen mehreren Ausgaben wählen, eine Ausgabe verwerfen und die Aufgabe ohne die Funktion abschließen, aus derselben Oberfläche heraus. Gehen Sie den Weg ohne die Funktion im Review selbst durch.

  • Die Person kann die Funktion auf einen Teil der Ausgabe erneut anwenden, ohne den Rest zu verlieren, wenn die Kontexterhebung diese Handlung fordert.

Fehlertoleranz

  • Jede Handlung auf Basis einer Ausgabe lässt sich rückgängig machen, und der Zustand vor der Handlung wird vollständig wiederhergestellt. Prüfen Sie, ob überschriebene Daten zurückkommen.

  • Die Ausgabe lässt sich neben dem Original und neben früheren Ausgaben anzeigen. Ohne Vergleich bleibt ein Fehler in der Ausgabe unsichtbar.

  • Korrekturen an der Ausgabe bleiben bei einem erneuten Durchlauf oder einer Aktualisierung erhalten. Ein Befund liegt vor, wenn die Korrektur überschrieben wird.

Benutzerbindung

  • Die Funktion stellt sich als Unterstützung der Aufgabe dar und lässt die Entscheidung bei der Person. Prüfen Sie Formulierungen, die Gewissheit suggerieren, etwa „geprüft" oder „korrekt" ohne Grundlage in der Anwendung.

  • Die Prüfarbeit wird von der Oberfläche geführt. Das erkennen Sie daran, ob die Person die Prüfung in der Anwendung erledigen kann oder dafür in andere Werkzeuge wechseln muss.

  • Rückmeldungen zur Ausgabe sind möglich und erreichen das Produktteam. Fehlt der Kanal, bleibt die Streuung im Betrieb unbeobachtet.

Was ohne diese Prüfpunkte passiert

Ohne Aufgabenangemessenheit geht eine Funktion in Betrieb, deren Prüfaufwand den Ablauf verlängert. Ohne Selbstbeschreibungsfähigkeit übernehmen Nutzende Fehler, weil die Ausgabe wie Bestandsdaten aussieht. Ohne Erwartungskonformität deuten sie die Schwankung als Defekt. Ohne Erlernbarkeit prüfen sie entweder alles oder nichts. Ohne Steuerbarkeit und Fehlertoleranz ist der Weg von einer fehlerhaften Ausgabe zum Arbeitsergebnis länger als der Weg ohne die Funktion. Ohne Benutzerbindung trägt die Person die Verantwortung für ein Ergebnis, das sie nicht prüfen konnte. In unseren Reviews fallen die meisten Befunde unter Selbstbeschreibungsfähigkeit und Fehlertoleranz, weil die Kennzeichnung der Ausgabe und das Verhalten bei Korrekturen in der Umsetzung selten spezifiziert waren. Ein Review entlang der sieben Grundsätze liefert je Punkt einen Befund mit Normbezug, den das Team vor dem Usability-Test beheben kann; der Test mit der Nutzergruppe zeigt danach, ob die Behebung wirkt.