Checkliste für eine belastbare Kontextbeschreibung

Checkliste für eine belastbare Kontextbeschreibung

Checkliste für eine belastbare Kontextbeschreibung

Checkliste für eine belastbare Kontextbeschreibung

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Anforderungen

Von

leefs Redaktion

Das Anforderungsdokument liegt zum Review vor, und das Kapitel Nutzungskontext ist zwei Seiten lang. Ob diese zwei Seiten aus dem Feld stammen oder aus einem Workshop, entscheidet, ob sich die Anforderungen darauf stützen lassen. Die Checkliste führt die Angaben auf, die eine Kontextbeschreibung nach ISO 9241-210 enthält, Nutzergruppen, Aufgaben, Arbeitsmittel sowie physische und soziale Umgebung, und nennt je Punkt, woran Sie im Review erkennen, ob die Angabe erhoben oder geschätzt wurde.

Einordnung

Wir gehen diese Liste im Review gemeinsam mit dem Team durch, das die Kontextbeschreibung geschrieben hat. Sie gilt für Backlogs und Anforderungsdokumente gleichermaßen. Je Punkt steht, welche Angabe vorliegen muss, und in einem Satz, woher sie üblicherweise stammt. Eine Angabe aus einer Beobachtung oder einer Dokumentenanalyse gilt als erhoben. Eine Angabe ohne Quelle gilt als Annahme. Kennzeichnen Sie Annahmen im Dokument, statt sie zu streichen; sie sind die Arbeitsliste für die nächste Feldphase.

Nutzergruppen

  • Jede Nutzergruppe ist benannt und von den anderen über Aufgaben oder Erfahrungsgrad abgegrenzt. Eine Abgrenzung über die Abteilung allein sagt nichts über die Nutzung; fragen Sie nach, welche Aufgabe eine Gruppe von der nächsten unterscheidet.

  • Je Gruppe ist der Erfahrungsgrad mit der Aufgabe und mit vergleichbaren Systemen beschrieben. Die Angabe stammt aus Interviews oder Beobachtung und ist im Review daran erkennbar, dass sie eine Spanne nennt und keine Einzelperson.

  • Je Gruppe ist die Häufigkeit der Nutzung beschrieben. Diese Angabe lässt sich aus Systemprotokollen oder Beobachtung erheben; eine Schätzung aus dem Workshop kennzeichnen Sie als Annahme.

  • Einschränkungen, die die Nutzung beeinflussen, sind benannt, einschließlich assistiver Technologien wie Screenreader oder Vergrößerung. Fehlt die Angabe, ist die Gruppe in der Regel nicht rekrutiert worden.

  • Demografische Angaben stehen nur, wenn sie eine Anforderung verändern. Alter und Geschlecht ohne Aufgabenbezug sind ein Hinweis auf eine Workshop-Persona.

Aufgaben

  • Jede Aufgabe hat ein Ziel, das aus Sicht der Nutzenden formuliert ist. Ein Ziel, das eine Systemfunktion beschreibt, stammt meist aus dem Backlog und nicht aus dem Feld.

  • Je Aufgabe sind Auslöser und Ergebnis benannt. Beide lassen sich beobachten oder erfragen, aus dem System allein nicht ableiten.

  • Die Teilschritte sind in der Reihenfolge beschrieben, in der sie im Feld ablaufen. Eine Reihenfolge, die der Menüstruktur des Altsystems entspricht, stammt in der Regel aus dem System und nicht aus der Beobachtung.

  • Die Folgen eines Fehlers sind beschrieben. Diese Angabe stammt aus Interviews mit Fachverantwortlichen oder aus Vorfallprotokollen.

  • Aufgaben, die mehrere Gruppen gemeinsam ausführen, sind mit den Übergabepunkten beschrieben. Übergaben sind im Feld sichtbar und in Selbstauskünften meist unvollständig.

Arbeitsmittel

  • Alle Geräte, Anwendungen, Formulare und Ausdrucke, die für die Aufgabe heute benutzt werden, sind aufgeführt. Die Liste stammt aus der Beobachtung; im Interview werden Hilfsmittel regelmäßig vergessen.

  • Umgehungen sind dokumentiert, etwa die Tabelle neben dem System oder das Foto vom Bildschirm. Sie zeigen, wo das vorhandene System die Aufgabe nicht abdeckt.

  • Eingesetzte assistive Technologien sind mit Produkt und Einstellung genannt. Die Angabe „Screenreader" ohne weitere Angabe reicht für eine Anforderung nicht aus.

Physische Umgebung

  • Licht, Lärm, Platz, Temperatur und Bewegung am Ort der Nutzung sind beschrieben, soweit sie die Aufgabe beeinflussen. Diese Angaben stammen aus Beobachtung vor Ort.

  • Wechselnde Orte für dieselbe Aufgabe sind als eigene Kontexte geführt. Eine Beschreibung, die nur den Schreibtisch nennt, ist meist am Schreibtisch entstanden.

Soziale und organisatorische Umgebung

  • Zeitdruck, Unterbrechungen, parallele Aufgaben und Schichtwechsel sind beschrieben. Sie sind im Feld sichtbar und werden in Interviews unterschätzt.

  • Zuständigkeiten, Freigaben, Vorschriften und Dokumentationspflichten, die die Aufgabe beeinflussen, sind benannt. Diese Angaben stammen aus Dokumentenanalyse und Interviews mit Verantwortlichen.

  • Die Personen, mit denen Nutzende während der Aufgabe zusammenarbeiten, sind benannt. Fehlt die Angabe, fehlen meist auch die Anforderungen an Übergaben.

Was ohne diese Angaben fehlt

Ohne Nutzergruppen mit Aufgabenbezug lässt sich keine Anforderung einer Gruppe zuordnen. Ohne Aufgaben mit Ziel und Fehlerfolgen lässt sich nicht priorisieren. Ohne Arbeitsmittel bleiben Umgehungen unsichtbar, und das neue System wiederholt die Lücken des alten. Ohne physische Umgebung bedeutet eine Anforderung an einem anderen Ort etwas anderes als am Schreibtisch. Ohne soziale Umgebung fehlen Zeitdruck und Übergaben, und der Usability-Test findet unter Bedingungen statt, die es im Feld nicht gibt. In unseren Reviews sind die Arbeitsmittel und die soziale Umgebung die Abschnitte, in denen am häufigsten Annahmen stehen, weil beide im Interview selten zur Sprache kommen. Eine Kontextbeschreibung, die an diesen Stellen Annahmen führt, ist ein Arbeitsstand. Sie wird zur Datengrundlage, wenn die Annahmen in der nächsten Feldphase geprüft sind.